Alex Sebastian

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Von Lügnern, Betrügern, Größenwahnsinnigen, Soziopathen und anderweitigen Dachschäden. Das könnte der Untertitel von alex sebastians neuem Album blackstar’s ascending sein.

 

„Als ich 2015 mit der Produktion begann, hätte ich nicht gedacht, welchen Aktualitätsbezug die Songs angesichts der großpolitischen Entwicklungen bei der Veröffentlichung haben würden.“ sagt der Münchner Rock/Pop-Künstler. Dabei waren diese mitnichten ausschlaggebend bei der Entstehung der Songs. „Ich regte mich einfach darüber auf, mit welcher Ignoranz viele Leute durch’s Leben gehen und rücksichtslos Schneisen der Verwüstung durch die Welt anderer Leute ziehen. Im kleinen, wie im großen.“ Dennoch schwingt in jedem Song eine positive Botschaft mit, denn den Glauben an das Gute in jedem Menschen will der selbst produzierende Pianist und Sänger doch nicht verlieren: „Vielleicht ist das ein naiver Gedanke. Ich glaube nicht, dass jemand abgrundtief böse ist und anderen Leuten immer nur schlechtes will. Genauso wenig gilt das umgekehrte. Und wenn ich mit Abstand auf den einen oder anderen Text blicke, stelle ich mir oft die Frage: Trifft das ein oder andere, worüber du dich aufregst, nicht manchmal auch auf dich zu?“

 

Die Songs auf blackstar’s ascending sind jedoch nicht durchgehend autobiografisch. Oft entspringen sie aus situativen Beobachtungen und bleiben vage im bildhaften oder basieren gar auf fiktionalen Charakeren. So ist beispielsweise die erste Single why are you still here? eine Hommage an die Hauptfigur Walter White aus der Serie Breaking Bad. „Mich faszinierte, wie mitreißend die Drehbuchautoren hier einen verzweifelten, erfolglosen Familienvater auf die Reise zum Größenwahnsinn schickten und ihn immer wieder auf die Nase fallen ließen. Jahrelang hatte ich fast keinen Fernseher eingeschaltet, bis mich ein Freund auf diese Serie brachte. Und erstmal angefangen, war es fast unmöglich, wie den Fernseher wieder auszumachen.“ erzählt alex sebastian.

 

Die zweite Single is it gone? verbleibt textlich im Interpretativen. Die Power Pop Nummer mit dem treibenden Beat versinnbildlicht die Verlorenheit in den Tretmühlen des Alltags. „Es gab eine Zeit, da war mir alles zuwider. Das Leben drehte sich irgendwie um sich selbst. Wenn ich mich umsah, sah ich überall nur noch Leute, die wie in Legebatterien in Käfighaltung ihren Dienst tun und sich darüber definierten. Die keine Träume mehr hatten, die sie erreichen wollen. Gepaart mit Zukunftsängsten und dem Rückblick auf: Was habe eigentlich ich erreicht? Wofür stehe ich? Wer bin ich? Was macht mich aus? ist das eine gefährliche Mischung.“ erzählt der Münchner. „Vielleicht hat so eine Phase jeder mal. Mich hat die Arbeit an der Musik wieder aus diesem Loch heraus geholt. Und wenn ich heute zurück blicke, denke ich: Viele Gedanken und Ängste waren schlicht irrational. Der ein oder andere Schatten bleibt aber.

 

Bei der dritten Single two wagons, einer wunderbaren Popballade, zitiert alex sebastian den Altmeister Sting. „Ich bin vielleicht einer der größten Fans des britischen Songwriters.“ lacht sebastian. „Ein Kernsatz seiner Songwriting Kunst lautet: Wenn Du ein Liebeslied schreibst, schreib nicht: ‚I love you and you love me, let’s be a happy family.‘ Das sei langweilig. ‚Ich liebe Dich, aber Du liebst jemand anderen‘, das sei interessant. Schmerzhaft, aber interessant. Ich weiß nicht mehr genau, wie ich auf die Zug-Metapher kam, aber vor meinem geistigen Auge sah ich das Bild von zwei Waggons, die auf einer langen Schiene in den Horizont rollen. Und dann brach ich das romantische Bild in Sting-Manier.“

 

Im Gegensatz zum Vorgängerwerk lives as they pass you by ist blackstar’s ascending wesentlich rockiger und wuchtiger geworden, ohne jedoch die melodiöse Popqualität von alex sebastians schmeichelnder Stimme und seinen minimalistisch eingängigen Pianoriffs zu verlieren. Neben seinen üblichen Studiomusikern versammelte der Songwriter eine Schar illustrer internationaler Gäste um sich: Der renommierte Schlagzeugvirtuose Jerry Marotta (u.a. Peter Gabriel, Paul McCartney, Sheryl Crow, …) steuerte Drums und Percussion bei. Basslegende Tony Levin (u.a. Peter Gabriel, John Lennon, David Bowie) verlieh why are you still here? und two wagons unverkennbar die tiefen Töne, und Warr-Guitar Spezialist Trey Gunn (u.a. King Crimson) sorgte für das Bassfundament und Solo bei rest when I’m old.

 

blackstar’s ascending erscheint im Januar 2018 bei Motor Music.